Grundlagen · Einstieg
Was ist Betonstahlschweißen?
Betonstahlschweißen ist das Schweißen von Bewehrungsstahl — also der Stahlstäbe, die im Stahlbeton die Zugkräfte aufnehmen. Weil eine fehlerhafte Naht die Tragfähigkeit des Bauteils betrifft, ist dieses Schweißen eigens geregelt: durch DIN EN ISO 17660. Diese Seite erklärt die Grundlagen für alle, die zum ersten Mal damit zu tun haben.
1. Warum Betonstahl eine eigene Schweißnorm hat
Betonstahl nach DIN 488-1 verhält sich beim Schweißen anders als Baustahl im Stahlbau: Er ist gerippt, oft kaltverformt und wird in der Regel als tragendes Bauteil eingesetzt. Deshalb greift hier nicht die Stahlbau-Norm EN 1090, sondern DIN EN ISO 17660. Beide Regelwerke führen zu unterschiedlichen Nachweisen — EN 1090 zur CE-Kennzeichnung durch eine notifizierte Stelle, ISO 17660 zum bauaufsichtlichen Eignungsnachweis.
Betriebe, die beides ausführen, brauchen beide Nachweise. Wie sich das organisieren lässt, steht unter EN 1090 und ISO 17660.
2. Tragend oder nichttragend: Teil 1 und Teil 2
Die Norm besteht aus zwei Teilen. ISO 17660-1 gilt für tragende Schweißverbindungen und stellt die höheren Anforderungen an Verfahren, Personal und Dokumentation. ISO 17660-2 gilt für nichttragende Verbindungen. Für die meisten Betriebe ist Teil 1 der maßgebliche.
Ein häufiges Missverständnis: Auch Betriebe, die nur gelegentlich tragende Verbindungen schweißen, fallen unter Teil 1 — die Häufigkeit ändert an der Pflicht nichts. Ausführlich unter DIN EN ISO 17660 erklärt.
3. Die drei Stoßarten
Betonstahl wird in drei Grundformen verbunden. Jede Stoßart braucht eine eigene Schweißanweisung (WPS) und eine Verfahrensprüfung (WPQR) mit passendem Geltungsbereich — eine WPS gilt nicht automatisch für alle Stöße.
Stumpfstoß
Zwei Stäbe werden stirnseitig verbunden — die anspruchsvollste Verbindungsart.
Überlappstoß
Zwei parallel liegende Stäbe werden über eine Länge miteinander verschweißt.
Kreuzungsstoß
Zwei sich kreuzende Stäbe werden am Schnittpunkt verbunden — typisch im Mattenbau.
Details zu Geltungsbereichen und Prüfungen: Stoßarten nach ISO 17660.
4. Welche Betriebe betrifft es?
Betroffen sind alle Betriebe, die tragende Bewehrungsschweißverbindungen ausführen — im Werk wie auf der Baustelle:
- Betonfertigteilwerke
- Bewehrungs- und Stahlbiegebetriebe
- Tiefbauunternehmen mit eigenem Schweißbetrieb
- Brücken- und Ingenieurbauunternehmen
5. Wer darf Betonstahl schweißen?
Die ausführenden Schweißer brauchen eine Prüfung nach DVS 1146 — die allgemeine Schweißerprüfung nach ISO 9606-1 genügt für Betonstahl nicht. Zusätzlich muss der Betrieb eine verantwortliche Schweißaufsichtsperson benennen: eine Schweißfachingenieurin oder ein Schweißtechniker (IWE/IWT) mit der Zusatzqualifikation DVS-EWF 1175.
6. Welche Nachweise verlangt das Betriebsaudit?
Den Eignungsnachweis erteilt eine anerkannte Stelle — etwa DVS-Zert, SLV oder ifw Jena — nach einem Betriebsaudit. Geprüft werden sechs Dokumentengruppen:
- WPS — Schweißanweisungen je Stoßart, Stabdurchmesser und Schweißprozess
- WPQR — Verfahrensprüfungen mit dokumentiertem Geltungsbereich
- Schweißer-Qualifikationen nach DVS 1146
- Arbeitsprobe-Nachweise der eingesetzten Schweißer
- Fertigungsbuch mit Bauteil- und Chargen-Schweißprotokoll
- Nachweis der verantwortlichen Schweißaufsichtsperson
Der Weg zum Nachweis Schritt für Schritt: Herstellerqualifikation & Betriebsaudit.
7. Der praktische Einstieg
Wer gerade anfängt, steht meist vor derselben Frage: Welche WPS brauche ich für welchen Stoß? Der WPS-Navigator beantwortet das ohne Anmeldung; der Fristenkalender zeigt, wann DVS-1146-Scheine und Arbeitsproben fällig werden.