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Wissen · Stoßart-Matrix

Stumpf-, Überlapp- und Kreuzungsstoß nach ISO 17660 — Stoßarten erklärt

ISO 17660 unterscheidet drei Grundstoßarten mit unterschiedlichen WPS, WPQR-Geltungsbereichen und Schweißerprüfungen. Die korrekte Zuordnung ist der fachliche Kern der Dokumentationspflicht — und eine häufige Fehlerquelle im Audit.

1. Die drei Stoßarten nach DIN EN ISO 17660

Die ISO 17660 definiert für das Betonstahlschweißen drei Grundstoßarten, die sich in geometrischer Ausführung, Belastungsrichtung und Anforderungen an WPS, WPQR und Schweißerpersonal unterscheiden. Eine WPS gilt immer nur für eine bestimmte Stoßart und einen definierten Stabdurchmesser-Bereich.

BW

Stumpfstoß

Typische Anwendung
Stoßverbindung zweier Bewehrungsstäbe auf einer Achse (Verlängerung)
Besonderheit
Anspruchsvollste Verbindungsart — erfordert vollständige Durchschweißung und die höchste Schweißerqualifikation (P BW nach DVS 1146)
Schweißprozesse
E-Hand (111), MAG (135), Gaspress (GP), Abbrennstumpf (RA)
WPQR-Geltungsbereich
Geltungsbereich nach Stabdurchmesser-Band (z.B. Ø12–Ø25 mm); eigene WPQR je Prozess
FW

Überlappstoß

Typische Anwendung
Zwei Stäbe werden überlappend verbunden — typisch bei Stoßverbindungen mit vorgegebenem Überlapplänge
Besonderheit
Geringere Anforderungen als Stumpfstoß; P FW nach DVS 1146 ausreichend (qualifiziert auch für Kreuzungsstoß)
Schweißprozesse
E-Hand (111), MAG (135)
WPQR-Geltungsbereich
Eigener WPQR-Geltungsbereich; Überlapplänge und Stabdurchmesser bestimmen die Anwendungsgrenze
KS

Kreuzungsstoß

Typische Anwendung
Zwei Stäbe kreuzen sich und werden an der Kreuzungsstelle verbunden — typisch bei Bewehrungsmatten
Besonderheit
Sonderfall: Widerstandspunktschweißen (RP) dominiert bei Mattenschweißung; eigene Regelungen für RP-Schweißer und WPQR
Schweißprozesse
Widerstandspunktschweißen (RP), E-Hand (111), MAG (135)
WPQR-Geltungsbereich
RP-Geltungsbereich separat; Elektrodenkraft, Stromstärke und Schweißzeit definieren den WPQR

2. Stumpfstoß (BW): Anforderungen, WPS-Besonderheiten, Prüfanforderungen

Der Stumpfstoß (BW — Butt Weld) ist die anspruchsvollste Verbindungsart nach ISO 17660. Zwei Bewehrungsstäbe werden stirnseitig verbunden, die Verbindung muss die volle Stabkraft übertragen. Das stellt hohe Anforderungen an die Schweißtechnik: vollständige Durchschweißung, saubere Nahtvorbereitung und exakte Einhaltung der WPS-Parameter.

Für den Stumpfstoß sind nur bestimmte Schweißprozesse zugelassen — E-Hand (111), MAG (135), Gaspress (GP) und Abbrennstumpfschweißen (RA). Je Prozess ist eine eigene WPQR erforderlich, deren Geltungsbereich den Stabdurchmesser-Bereich festlegt.

Der BW-Schein (P BW) nach DVS 1146 ist die umfassendste Schweißerqualifikation — er qualifiziert für alle drei Stoßarten. Wer nur Stumpfstöße ausführen lassen möchte, muss sicherstellen, dass alle eingesetzten Schweißer den BW-Schein haben.

3. Überlappstoß (FW): Anforderungen und typische Anwendungsfälle

Beim Überlappstoß (FW — Fillet Weld in der Betonstahl-Notation) werden zwei Stäbe überlappend verbunden und an der Überlappzone verschweißt. Die Überlapplänge ist normativ festgelegt und hängt vom Stabdurchmesser ab. Der Überlappstoß ist weniger anspruchsvoll als der Stumpfstoß und kommt häufig bei Bewehrungsstößen im Betonbau vor.

Der FW-Schein (P FW) nach DVS 1146 qualifiziert für Überlappstoß und Kreuzungsstoß, aber nicht für den Stumpfstoß. In Bewehrungsbetrieben, die überwiegend Überlapp- und Kreuzungsstöße schweißen, genügt oft der FW-Schein für alle Schweißer.

4. Kreuzungsstoß: Mattenschweißung, Widerstandspunktschweißen, Besonderheiten

Beim Kreuzungsstoß kreuzen sich zwei Bewehrungsstäbe und werden an der Kreuzungsstelle verbunden. Typische Anwendung: Bewehrungsmatten, bei denen Längs- und Querstäbe an den Kreuzungspunkten verbunden werden.

Besonderheit: Für Mattenschweißung wird überwiegend Widerstandspunktschweißen (RP) eingesetzt — ein Verfahren mit eigenen Regelungen, das nicht unter ISO 9606-1 fällt. RP-Schweißer (genauer: RP-Bediener) benötigen eine eigene Qualifikation, und die WPQR-Parameter (Elektrodenkraft, Strom, Zeit) unterscheiden sich grundlegend von Schmelzschweißverfahren.

Häufige Verwechslung: Der FW-Schein qualifiziert für Kreuzungsstöße mit Schmelzschweißverfahren — nicht für Widerstandspunktschweißen (RP). Für RP ist eine separate Qualifikation erforderlich.

5. WPS und WPQR je Stoßart: Warum eine WPS nicht für alle Stöße gilt

ISO 17660 verlangt je Stoßart, Stabdurchmesser-Bereich und Schweißprozess eine eigene WPS (Schweißanweisung) und eine darauf basierende WPQR (Verfahrensprüfung). In der Praxis entsteht so eine Matrix: 3 Stoßarten × mehrere Prozesse × mehrere Durchmesser-Bänder = schnell 8–15 WPS-Dokumente in einem mittleren Betrieb.

  • Stumpfstoß BW / E-Hand 111 / Ø10–Ø20 mm → eigene WPS + WPQR
  • Stumpfstoß BW / MAG 135 / Ø20–Ø32 mm → eigene WPS + WPQR
  • Überlappstoß FW / E-Hand 111 / Ø10–Ø25 mm → eigene WPS + WPQR
  • Kreuzungsstoß / RP / Ø8–Ø16 mm → eigene WPS + WPQR (RP-Parameter)

Die korrekte Zuordnung — welche WPS gilt für welche Schweißaufgabe — ist in Excel ohne Validierungslogik fehleranfällig. BetonStahl Schweißen bildet diese Matrix digital ab und warnt, wenn eine WPS für den gewählten Stoß oder Durchmesser nicht gilt.

6. Geltungsbereich und Stabdurchmesser: Die Kombinationsmatrix

Der WPQR-Geltungsbereich nach ISO 17660 definiert, für welchen Stabdurchmesser-Bereich eine Verfahrensprüfung gültig ist. Die genauen Grenzen hängen vom Prüf-Stabdurchmesser ab und sind in der Norm tabelliert.

Typische Faustformel: Der Geltungsbereich erstreckt sich auf ca. ±25–40 % um den Prüf-Stabdurchmesser. Ein Betrieb, der Stäbe von Ø8 bis Ø40 mm verarbeitet, benötigt in der Regel 2–3 WPQR je Stoßart und Prozess, um den gesamten Durchmesserbereich abzudecken. Diesen Überblick digital zu führen — und bei jeder Schweißnaht-Erfassung automatisch zu validieren — ist der Kern der Stoßart-Matrix in BetonStahl Schweißen.

7. Schweißerprüfung je Stoßart: BW-Schein vs. FW-Schein nach DVS 1146

P BW — Stumpfstoß-Schein

Qualifiziert für: Stumpfstoß (BW), Überlappstoß (FW), Kreuzungsstoß mit Schmelzschweißen.

Nicht gültig für: Widerstandspunktschweißen (RP)

P FW — Überlapp-/Kreuzungsstoß-Schein

Qualifiziert für: Überlappstoß (FW), Kreuzungsstoß mit Schmelzschweißen.

Nicht gültig für: Stumpfstoß (BW) und Widerstandspunktschweißen (RP)

Für Widerstandspunktschweißen (RP) bei Mattenschweißung gelten eigene Qualifikationsregeln außerhalb von DVS 1146 — die Anforderungen sind mit der zuständigen Prüfstelle abzustimmen.

8. Wie BetonStahl Schweißen die Stoßart-Matrix digital abbildet

BetonStahl Schweißen bildet die vollständige Stoßart-Matrix digital ab: WPS und WPQR werden je Stoßart, Stabdurchmesser und Prozess strukturiert geführt. Bei der Schweißnaht-Erfassung prüft die Software automatisch, ob die gewählte WPS für den eingegebenen Stoß und Stabdurchmesser gilt — und warnt bei Fehl-Zuordnungen, bevor sie im Fertigungsbuch landen.

9. Häufige Fragen

Warum braucht jede Stoßart eine eigene WPS?

ISO 17660 differenziert Stoßarten nach Beanspruchungsart, Zugänglichkeit und Schweißprozess. Eine WPS für den Stumpfstoß gilt nicht für den Überlappstoß — die geometrischen und verfahrenstechnischen Parameter unterscheiden sich grundlegend. Die Stoßart-Matrix stellt sicher, dass für jede Kombination aus Stoßart, Stabdurchmesser und Prozess eine gültige WPS vorliegt.

Gilt der BW-Schein (Stumpfstoß) nach DVS 1146 auch für Überlapp- und Kreuzungsstöße?

Ja. Die DVS-1146-Qualifikation P BW (Stumpfstoß) qualifiziert auch für Überlappstoß und Kreuzungsstoß — aber nicht für Widerstandspunktschweißen (RP). Für RP ist eine eigene Qualifikation erforderlich. Der FW-Schein hingegen qualifiziert nur für Überlapp- und Kreuzungsstoß, nicht für den Stumpfstoß.

Was ist der WPQR-Geltungsbereich und warum ist er wichtig?

Der WPQR-Geltungsbereich definiert, für welche Stabdurchmesser eine Verfahrensprüfung gültig ist. Eine WPQR für Ø16-mm-Stumpfstoß gilt typischerweise für einen Durchmesserbereich (z.B. Ø12–Ø25 mm). Außerhalb dieses Bereichs — etwa Ø32 mm — wird eine eigene WPQR benötigt. Die korrekte Zuordnung ist eine häufige Fehlerquelle.

Braucht der Kreuzungsstoß eine eigene Schweißerprüfung?

Für Kreuzungsstöße mit Schmelzschweißverfahren (E-Hand, MAG) genügt der P FW oder P BW nach DVS 1146. Für Widerstandspunktschweißen (RP) bei Mattenschweißungen gelten eigene Qualifikationsregeln — hier ist eine spezifische RP-Bedienerqualifikation erforderlich, da RP kein Schmelzschweißverfahren nach ISO 9606-1 ist.

Was passiert, wenn eine WPS im Betrieb nicht die tatsächlich eingesetzten Stoßarten abdeckt?

Fehlende WPS-Abdeckung ist eine der häufigsten Audit-Auflagen. Der DVS-Zert-Auditor prüft, ob für jede im Betrieb eingesetzte Stoßart-/Stabdurchmesser-/Prozess-Kombination eine gültige WPS vorliegt. Fehlt eine WPS, können die betreffenden Schweißnähte nicht als normkonform anerkannt werden.